Skype-Coaching aus Kundensicht: Ein Interview

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Digitale Medien haben in der beruflichen Förderung viele Vorteile – beispielsweise Flexibilität und Kostenersparnis. Aber hält ein Coaching per Videokommunikation auch, was es verspricht? Bietet es eine Basis für Vertrauen, lebendigen Austausch und Erkenntnis? Oder wirkt es künstlich?

Lesen Sie hier ein Interview mit einer Coaching-Kundin. Sie ist als Führungskraft in einem Dienstleistungsunternehmen für 35 Mitarbeitende verantwortlich. Ihr Coaching begann vor vier Monaten. Bisher fanden drei Face-to-Face-Treffen und drei virtuelle Sitzungen statt.

Skype-Beratung

  • (SN): Wie haben Sie das Skype-Coaching bisher erlebt?

(Frau B.): Also, bis auf die technischen Schwierigkeiten…, als sehr angenehm. Ich finde es schön, wenn man über Dinge redet und den anderen dabei sieht.

Ich finde es schön, wenn man über Dinge redet und den anderen dabei sieht.

  • Welchen Einfluss hat die Technik?

Wenn die Technik nicht funktioniert, ist es natürlich blöd! Das letzte Mal haben wir uns dann ja mit einem Handy-Telefongespräch geholfen, das ging ja auch. Aber es ist schon schöner, wenn man den anderen sieht. Sie sehen meine Mimik und ich sehe es bei Ihnen ja auch, wenn Sie mich fragend anschauen, weil ich mich irgendwie komisch ausgedrückt habe, dann kann ich noch mal nachlegen.

  • Wo empfinden Sie Unterschiede zu persönlichen Treffen?

Wenn wir uns persönlich treffen, können wir Situationen üben. Das hilft mir auch unheimlich weiter. Sowas bietet sich über Skype nicht so an. Klar, wenn so eine Situation gespielt werden müsste, können wir das beim nächsten Vor-Ort-Termin machen. Sonst fehlt mir da eigentlich nichts beim Skypen.

  • Gibt es etwas, was beim Skypen angenehmer oder leichter ist?

Für mich nicht. Für Sie schon (lacht), Sie haben ja sonst den weiten Weg!

  • Welche Themen würden Sie nicht per Skype, sondern eher im direkten Gespräch bearbeiten wollen?

Themen direkt benennen kann ich da nicht. Wie ich schon sagte, wenn man Situationen üben muss, geht es besser im direkten Coaching. Über Themen reden, das kann man auch beim Skype-Coaching.

  • Also das heißt, Sie schränken das gar nicht ein? Auch schwierige Themen würden Sie beim Skype-Coaching ganz genauso einbringen?

Ja, ich weiß ja nicht, ob andere da ein Stück weit unsicher sind, weil man sich ja auch dabei sieht, aber für mich ist das jetzt nicht anders, als ob ich Ihnen gegenüber sitze. Ich empfinde es als sehr angenehm.

  • Haben Sie Unterschiede erlebt, wie Sie mich als Coach wahrnehmen? Sie sehen nur meinen Oberkörper, bei Gesten nehme ich schon die Hände etwas höher, aber es konzentriert sich doch mehr auf das Gesicht.

Ich nehme Sie nicht anders wahr. Wir unterhalten uns ganz normal, wie auch wenn wir uns gegenüber sitzen würden. … Da sehe ich Ihnen ja auch ins Gesicht und höre, was Sie sagen. Nun ja, man guckt auch ein bisschen auf die Körperhaltung.

  • Das heißt, einen persönlichen Draht kriegen Sie über Skype dann auch schnell wieder?

Ja, wenigstens ist es bei mir so. Beim Telefonieren hätte ich das nicht, weil ich Sie da nicht sehe und Ihre Reaktionen nicht sehe. Es ist ja nicht so zeitversetzt, also nur ein bisschen. Sehen Sie mich zeitversetzt?

  • Das ist unterschiedlich, hängt manchmal von der Leitung ab. Im Moment ist es recht nah dran. Manchmal stockt es ein bisschen und ist später.
  • Haben Sie Unterschiede bemerkt, wie Sie sich selbst verhalten beim Skypen?

Nö. Ich bin genauso.

  • Wir trinken nicht so viel Kaffee (lacht)

Ich trinke hier Wasser (lacht).

  • Und erkennen Sie Unterschiede bei inneren Vorgängen – so Gedanken, Gefühle, Empfindungen?

Hab ich auch keine anderen. Ich verhalte mich nicht anders, ich fühle nicht anders. Ich hab damit kein Problem.

Ich verhalte mich nicht anders, ich fühle nicht anders.

  • Hat das damit zu tun, dass wir uns schon dreimal persönlich getroffen haben? Und Sie mich da schon kennengelernt haben, aus meinem Gesicht, aus meiner Stimme „lesen“ können?

Das kann natürlich schon sein, dass das damit zusammenhängt. Wenn Sie ein reines Skype-Coaching machen würden, vielleicht ist das anonymer. Wir kennen uns ja, wir haben uns schon mehrere Stunden gesehen. Wenn man immer nur einen Skype-Partner hätte, das könnte ich mir schon vorstellen, dass das anders ist.

  • In der Mischung mit persönlichen Treffen ist das für Sie also keine Einschränkung?

Genau. Ich könnte mir zum Beispiel auch vorstellen, wenn ich akut was hätte, dann wäre es auch leichter, Sie mal per Skype anzurufen und über ein aktuelles Problem zu reden.

  • Also bei akuten Themen sehen Sie den Vorteil, dass Sie sich schnell mit mir beraten können.

Haben Sie denn schon Kunden gehabt, die das abgelehnt haben mit Skype oder sich unwohl gefühlt hat?

  • Meine Erfahrung ist, je mehr man das Medium gewohnt ist, desto eher empfindet man das als ganz normale Art der Kommunikation.

Aber ich war das nicht gewohnt!

  • Deshalb sind Sie ja auch ein interessanter Interviewpartner! Wie, denken Sie, sollte sich der Coach beim Skypen verhalten, damit Sie optimal lernen können?

Ganz natürlich sein, wie in einem normalen Gespräch. Ich erfahre Sie auch nicht anders, außer dass ich weiß, dass Sie in Düsseldorf sind.

  • Wie sehen Sie den Unterschied, dass wir vor Ort etwas aufschreiben können, auf dem Flipchart oder auf Kärtchen?

Ja, da ist schon ein Unterschied zum Skypen. Aber wenn etwas wichtig ist, notiere ich mir das hier auch und Sie tun das ja auch. Wir haben ja auch eine Mischung von persönlichem und Skype-Coaching. Wenn es nur Skype-Coaching gibt, wäre es vielleicht anders…

  • Also wenn wir nur Skype-Coaching hätten, wäre es eine gute Idee, dass beide darauf achten, wann etwas aufgeschrieben werden sollte, damit es nicht in Vergessenheit gerät?

Ja, obwohl Sie ja schon viel strukturiert ausarbeiten, wie hier das Führungsgespräch (zeigt eine vorbereitete Arbeitsunterlage), das ist ja im Grunde nichts anderes, als wenn wir das ans Flipchart geschrieben hätten.

  • Also dass Materialien, die eine Struktur als Grundlage geben, bei einem Skype-Gespräch ganz hilfreich sind?

Ja natürlich.

  • Kommen wir zu den Vorteilen des Skype-Coachings. Sie haben ja schon gesagt, dass es niedrigschwellig ist und man es flexibel machen kann. Was sehen Sie noch?

Naja, für das Unternehmen ist das wahrscheinlich preisgünstiger, als dass Sie in Flieger oder Zug steigen. Für Sie ist es weniger Zeitaufwand. Und für mich, dass ich es auch abends von Zuhause machen kann. Obwohl ich mich in dem Besprechungsraum in der Firma auch wohl fühle. Doch jetzt habe ich schon mal einen Happen gegessen vorher.

  • Das heißt, Sie legen den Termin auch so, dass Sie Ruhe haben…

Genau. Das mache ich in der Firma aber auch.

  • Wie sehen Sie die Bedeutung des Datenschutzes?

IT hat mir den Laptop zur Verfügung gestellt. Datenschutz ist da nicht besonders thematisiert worden. Wenn wir Daten besprechen, achten wir beide schon darauf, dass wir das anonymisiert betrachten. Da muss ich ein Auge drauf haben.

  • Das betrifft dann eher Infos, die Sie als Mail schicken, oder? Hier bei Skype ist es ja eher so, dass es über Server in den USA geht, die nicht den deutschen Datenschutzgesetzen unterliegen.

Die horchen uns jetzt ab.

  • Wir könnten jetzt die NSA grüßen. (beide lachen)

Ich glaube, die verstehen uns gar nicht und die interessiert es auch gar nicht. Wir tauschen ja keine firmenrelevanten Daten aus.

  • Wenn Sie es insgesamt betrachten: Welchen Stellenwert sollte das Skype-Coaching haben?

Ich könnte mir schon vorstellen, dass es so hälftig angewendet wird oder ein bisschen mehr, 60%. Weil es leichter zu organisieren ist. Es ist dabei glaub ich wichtig, dass man sich vorher kennt. Also die Mischung mit persönlichem Coaching, das ist es.

Also die Mischung mit persönlichem Coaching, das ist es.

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Sabine Neugebauer
Von Sabine Neugebauer

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