Homeoffice und Soziale Distanz – Was macht das eigentlich mit uns?

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Der Mensch ist ein soziales Wesen und soziale Isolation hat auf Dauer Folgen. Anfangs war in der aktuellen Situation häufig die Sprache von weniger Stress und Druck, weil soziale Verpflichtungen nicht mehr wahrgenommen werden müssen. Aber nach inzwischen 2 Monaten sind viele von uns an einem Punkt angekommen, an dem man sich wünscht, doch einfach mal wieder ins Büro zu gehen, am Wochenende Freunde zu treffen oder die Kinder ohne Vorsicht mit anderen spielen zu lassen. Was bedeutet also die soziale Isolation für unsere Psyche?

Dramatische Folgen für Psyche und Gesundheit

Soziale Isolation und Einsamkeit gehen laut einer amerikanischen Studie aus Philadelphia direkt mit Gefühlen der Angst und Hilflosigkeit sowie depressiven Symptomen der Interesselosigkeit, Müdigkeit, Traurigkeit und Einsamkeit einher. Einsam zu sein wurde von den Befragten vielfach als ein Grund für deren depressive Stimmungen genannt.

Auch gesundheitlich lassen sich die Folgen klar beziffern. Sozial Isolierte haben ein doppelt so hohes Risiko in den folgenden drei Jahren an einem Myokardinfarkt zu sterben, als sozial Integrierte. Zudem führt soziale Isolation zu Bluthochdruck, schlechterem Schlafverhalten und einem schwächeren Immunsystem. Und dabei geht es nicht nur um echte soziale Isolation, sondern auch um die empfundene Isolation. Wenn wir uns also trotz Arbeitskollegen, die wir per Rechner, Videokonferenz und Telefon erreichen können, einsam fühlen, dann reicht das aus, um negative gesundheitliche und psychische Folgen erwarten zu können.

Aufgrund der aktuellen Situation hat die UN am 14.05.2020 eine Studie veröffentlicht, in der mit langwierigen psychischen Folgen der Corona-Krise gerechnet wird. Nicht nur die Isolation, auch die Angst vor einer eigenen Ansteckung oder der unbewussten Ansteckung anderer Personen spielen dabei eine Rolle. Es wird in den kommenden Jahren mit einer steigenden Rate von psychischen Erkrankung ausgegangen.

Spätestens nach dem Lesen dieser Zeilen kann man nun endgültig den Kopf in den Sand stecken.
Damit hätten wir als Wirtschaftspsychologen aber einen schlechten Job gemacht. Erinnern Sie sich noch an eine Säule der Resilienz, die Lösungsorientiertung? Genau hier sollten Sie ansetzen, und zwar in Ihrem Lebensumfeld. Es geht nicht darum, die aktuelle Corona-Krise in ihrer Komplexität und Gesamtheit zu lösen. Das ist schlicht unmöglich. Nein, vielmehr geht es darum, kleine lösbare Teilprobleme zu definieren, für die Lösungen gefunden werden können.

Was können wir konkret tun?

Es gibt nichts zu beschönigen: Derzeit ist soziales Miteinander nur schwierig zu organisieren und mit Anstrengung verbunden. Aber angesichts der möglichen Folgen lohnen sich da nicht die Anstrengungen?

Ein paar Ideen für ein soziales Miteinander und psychisch gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Essen Sie gemeinsam mit Ihren Arbeitskollegen zu Mittag – per Videokonferenz. Lassen Sie dabei ruhig die Arbeitsthemen außen vor und unterhalten sich einfach zwanglos. Das jeweilige Essen kann präsentiert werden. Wer mag, auch mit einer Prise Humor: Lässt sich aus den Zutaten ein Gesicht legen? Oder ein Kunstwerk nachstellen?
  • Achten Sie darauf, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit nicht zu sehr verwischen. Dabei können Ihnen die Tipps für eine gute Gestaltung des Homeoffice helfen.
  • Sind Sie Führungskraft? Dann melden Sie sich täglich bei Ihren Mitarbeitern, fragen Sie nach, wie es ihnen geht und woran sie arbeiten. Nicht zur Kontrolle, sondern um zu zeigen, dass die Arbeit nach wie vor gewertschätzt wird, auch wenn ein Schulterklopfen im Büro fehlen mag. Haben Sie ein offenes Ohr für erste Anzeichen, wie Schlaflosigkeit oder depressive Verstimmungen.
  • Lassen Sie als Unternehmen Ihren Mitarbeitern Kontaktadressen zukommen, bei denen schnell Hilfe geboten wird. Dies kann zum Beispiel die Corona-Hotline des BdP (Bund deutscher Psychologen) unter 0800 777 22 44 sein, oder Sie schließen Verträge mit Psychotherapeuten zur telefonischen Beratung Ihrer Mitarbeiter.

Mit welchen Ideen konnten Sie schon Erfolge verbuchen? Lassen Sie uns gerne über die Kommentarfunktion daran teilhaben.

Über den Autor

Prof. Dr. Magdalena Bathen-Gabriel

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